Pressestimmen

14.07.2025 – Beschwerde-Chor klagt mit Tiefgang – Lena Schmitz

Lena Schmitz, in: Kölner Stadtanzeiger vom 14.07.2025

Link zum Beitrag des Kölner Stadtanzeiger: Leverkusener Beschwerdechor bringt musikalische Klagen mit Tiefgang

 


 

07.07.2019 – Flashmob fürs Klima : Beschwerdechor singt seine Kritik – Tobias Brücker

Ein Mann mit langem grauen Haar steht scheinbar einsam inmitten der Fußgängerzone in Wiesdorf. Vor
ihm nur ein Notenständer. Doch es dauert nicht allzu lange, und von allen Seiten schlendern Menschen
heran. Wie in einem gigantischen Bienenstock summen sie vor sich hin – ehe sie sich als Chor zu
erkennen geben und plötzlich zum Flashmob werden.
Es ist der dritte seiner Art, den der Beschwerdechor auf die Straßen von Leverkusen bringt. Am Samstag stand vor allem das Klima und die Erderwärmung im Mittelpunkt der gesungenen Kritik. Die Botschaft ist klar und kommt in einem der Lieder mehrfach vor: „Wir können schon lange nicht mehr ruhig schlafen. Die Erde beginnt uns zu bestrafen“, heißt dort.
Sterben die Tiere, sterben die Meere, stirbt auch der Mensch. Viele Leute bleiben stehen, zücken das Handy. Andere werfen verstohlen einen Blick in die Richtung des scheinbar vor Ort improvisierten Chors, ziehen dann aber, die Einkaufstasche fest in der Hand, schnell weiter.
Drei Lieder hat der Chor, den es seit 2013 gibt, vorbereitet. Den Song, in dem die zumeist weiblichen Sänger Klimawandel beklagen, schrieb Chorleiter Michael Meierjohann selbst. Der 60-Jährige leitet erst seit zwei Jahren das Ensemble, das sich montags im Kulturausbesserungswerk in Opladen trifft. Und er ist zufrieden mit der Resonanz: „Die Menschen sind immer recht wohlwollend und freuen sich, wenn etwas in der Stadt passiert.“
So verlegte der Chor eher ungeplant seine Darbietung, die eigentlich nur zehn Minuten habe dauern sollen, in die Rathaus-Galerie – ohne Genehmigung sangen sie auch dort zwei Songs und erreichten ein noch größeres Publikum.
Es gehört sicher Mut dazu, sich in die Fußgängerzone zu stellen und alle Blicke auf sich zu ziehen. Das gibt auch Susanne Leideck zu. „Einige neue Mitglieder waren schon nervös heute morgen“, erzählt sie nach getaner Arbeit. Doch in der Gruppe fühle man sich gleich sicherer.

In der vergangenen Woche hatte die Leverkusener Ortsgruppe von Fridays for Future erwirkt, dass der Rat der Stadt den Klimanotstand ausrief. Für Chorleiter Meierjohann grundsätzlich ein gutes Zeichen. Das zeige, wie politisch die Jugend doch sei – allen Unkenrufen zum Trotz. „Es ist toll, dass sie von der Politik ernstgenommen wurden“, bekräftigt er.
Ob der ausgerufene Klimanotstand nun wirklich etwas bewege, da ist der 60-Jährige skeptisch: „Das wird zu beweisen sein.“ Immerhin: Wenn sich die Politik nicht daran hält, ist das Thema des nächsten Songs zumindest schon einmal gefunden.

Originalbeitrag im PDF-Format: fläsch RP

 


 

Fläschmob KSTA – Ralf Krieger

Die ältere Dame mit Filzhut und Thermomantel wollte es genau wissen. „Wer sind die? Die singen so mit Schmackes. Sowas kommt an.“ Kein Konzertprogramm, kein Plakat gab es zum Spontankonzert des
Beschwerdechors des Kulturausbesserungswerks. Schon klar, dass es da Fragen gab. Auch klar war dem Publikum, das sich in der Opladener Fußgängerzone am Samstag auf Höhe der Birkenberg und der
Bahnhofstraße einfand, dass es sich lohnte, zu verweilen und innezuhalten.
Und das bei Liedtiteln wie: „Schnell weg da, weg, da weg.“ Wie Chorleiter Michael Meierjohann erklärte, war der spontane Menschenauflauf, der Flashmob, geplant worden, um die Auseinandersetzung mit dem „Intelligenzvernichter Handy“ anzustoßen. Und die ältere Dame war sofort auf Linie: „Das mit den Handys ist eine schlimme Sucht.“ Dass der Chor auftrat, gefiel ihr gut. „Ich dachte zuerst, das ist ein Kirchenchor. Die singen ja auch so fröhlich.“

Carla Racholt, die zuhörte, hat bis vor zwei Jahren selbst mitgesungen und bedauerte, dass sie nicht mehr dabei ist. „Wenn ich das so höre, denke ich, dass ich wieder mitmachen sollte.“ Michael Meierjohann probt jeden Montag, 19.30 Uhr, im Kulturausbesserungswerk, dem KAW an der Kolberger Straße, mit dem Beschwerdechor. Stimmbildung gehört dazu, und grundsätzlich kann jeder mitsingen. Notenkenntnisse seien nicht erforderlich, sagt er.
Die Liedtitel sind mitunter ungewöhnlich. Strophen wie „Lummerland ist abgebrannt“ oder „Neues Land, wo früher Wasser stand“ lassen aufhorchen. Tobias Thieles Lied „Unerhört“ war zu hören. Es handelt von Menschen in Seenot, Krieg und Leid. Gesungen wird gegen Banker und Lobbyisten, den braunen Mob und Verhandlungen hinter verschlossenen Türen. Das Lied „Ein jeder Mensch“ hat der Chor selbst komponiert und darin geht es darum, dass ein jeder eine Heimat braucht. Grenzzäune haben auf dem kleinen Erdenball nichts verloren, und im Jammertal will wohl keiner leben.

Die Idee zum Flashmob, für den man sich übrigens auf dem obersten Parkdeck in der Kantstraße eingesungen hatte, kam Meierjohann, nachdem er zwei-, dreimal von einem Smartphonesüchtigen beinahe umgerannt wurde. „Wir wollten die Leute hier in der Fußgängerzone heute einmal dazu auffordern, ihre Stöpsel aus dem Ohr zu nehmen.“ Das taten sie denn auch, die Spontanzuschauer. Und manch einer machte – ganz spontan – ein Selfie mit dem struppigen Chor.

 


 

14.09.2018 – WDR3 Tonart